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Traum-Raum

Im Traum-Raum erfinden die Kinder Situationen, die sie in Rollenspielen ausleben. Hierbei lassen sie ihrem Einfallsreichtum und ihren Gefühlen freien Lauf.

Die Kinder schlüpfen in die verschiedensten Rollen. Sie spüren, wie es sich anfühlt, eine Mama, ein Papa, eine Ärztin oder ein Lehrer zu sein. Das Kind probiert Handlungen aus, begibt sich in Situationen, die es im realen Leben nicht erleben kann. Es gibt eine Spritze, verhält sich streng zum Schüler, schimpft, wenn ein anderes Kind etwas falsch macht. Oder es tröstet das Baby.

In den unterschiedlichen Rollen verarbeiten die Kinder in ihrem Alltag Erlebtes. Sie spielen nach, was sie erfahren oder beobachtet haben. Oft sind es auch Filme, Geschichten oder Märchen, aus denen sie Situationen nachempfinden und nachspielen.

Mal böse, mal ängstlich

Sie versetzen sich in Beziehungenkonstellationen, sie wechseln die Rollen. Mal darf ein Kind böse sein, mal ängstlich. Sie agieren die Beziehungsbilder aus, die sie in ihrer Vorstellung, in ihrer Erinnerung gespeichert haben. „Das Bemerkenswerte ist, dass Kinder ihre Gefühle und Lebenssituationen in Rollenspielen vollständiger und differenzierter ausdrücken können als auf irgendeine andere Weise“, so das Resümee der Pädagogin und Buchautorin Margit Franz. In der Tat lässt sich dies im Traum Raum immer wieder beobachten.

Träume und Ängste ausagieren

Den Traum-Raum nutzen die Kinder wie ein Theaterhaus. Hier finden sie Requisiten und Kostüme. Sie planen das Spiel oder verhandeln, wer welche Rolle übernimmt. Und sie besprechen Situationen, die sie darstellen und spielen wollen. Die Verkleidungen helfen ihnen, sich ganz in ihre vorgestellte Welt zu begeben und sich selbst in eine Rolle hineinzuspielen.

Sie erleben auch, wie sie von anderen in der Rolle gesehen werden. Wie fühlt es sich an, wenn man als Krankenschwester angesprochen wird. Wie sehe ich im Spiegel aus, wenn ich der böse Pirat bin? Was sagen die anderen dazu?

Eigenes Bühnenbild gestalten

Wie ein Bühnenbildner im Theater gestalten die Kinder im Traum-Raum das Äußere einer Situation. Dazu verrücken sie Stühle, Tische oder Schränke, nutzen Decken, Kissen oder Vorhänge. Sie bauen sich ihre eigene Welt, ihr eigenes Bühnenbild. So schaffen sie die Voraussetzungen, um ihre Träume, Wünsche oder Ängste auszuagieren.

Autor: Bernd Kulow